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Donnerstag, 5. April 2018

Die Parelli Formel Rapport - Respect - Impulsion - Flexion. FLEXION

Der letzte der vier Teile unserer Formel ist FLEXION.


Flexion - Klaudia Duif
Mit dem Thema Flexion kommt nun auch der physische Aspekt zum Tragen. Voraussetzung sind jedoch mentale und emotionale Fitness. Mentale und Emotionale Fitness sind vor allem Thema beim Baustein Impulsion. Eine Voraussetzung für Impulsion ist Respekt und ohne Bindung (Rapport) kein Respekt.

Man sieht schon sehr deutlich, wie diese Formel sich aufbaut und dass die einzelnen Bausteine aufeinander aufbauen und die Reihenfolge essentiell ist.

Wenn ein Pferd auf unsere Fragen antwortet: "Ja, ich will" (mentale Fitness) und "Ja, ich kann" (emotionale Fitness), ist der Körper bereit zu folgen, denn ohne einen "flexiblen Geist" ist eine physische Umsetzung unmöglich. Im Umkehrschluss: Wenn mentale und emotionale Fitness gegeben sind, wird der Körper folgen und wir sprechen von echter Gymnastizierung.

Gymnastizierung ebenfalls nicht auf eine reine physische Herangehensweise reduziert werden. Wer Gymnastizierung auf das physische reduziert wird bei Problemen auch physische Lösungsansätze haben wie z.B. auf Hilfszügel zurückgreifen, schärfere Gebisse, usw. 

Sind die ersten drei Bausteine von RAPPORT, RESPEKT und IMPULSION vorhanden, so macht der Baustein FLEXION beiden Seiten viel Spass. Er wird helfen, unsere Pferde dabei zu unterstützen, sich gesund zu bewegen (am Boden und im Sattel), so dass wir lange Spass an ihnen haben. Alle lateralen Manöver spielen hier z.B. eine Rolle. Genauso wie Balance, natürliche Schiefe und Geraderichten. Aber auch hier kann die Übung oder Aufgabe nicht isoliert werden und einen reinen physischen Anspruch haben. Bei z.B. einem Schulterherrein ist ebenfalls wichtig, mit welcher Einstellung diese ausgeführt wird. Anzeichen, die zeigen, dass hier mind. einer der vorherigen Bausteine nicht in Ordnung sind:

  • Schweifschlagen
  • Zu schnell
  • Kopfschlagen
  • Ohren anlegen
  • Ausgeprägter Unterhals
  • Stehen bleiben, usw.
Hier ist dass nach der Ursache zu forschen und abzuklären, welcher der Bausteine fehlt. Im Zweifelsfall ist unter Umständen eine Untersuchung durch den Tierarzt erforderlich, falls die Anzeichen einen physische Ursache zu haben scheinen.


Eine echte Flexion, die nicht nur das physische biegen des Halses beinhaltet, sondern ein nachgeben mental, emotional und physisch. Pat Parelli sagt dem "yield - give - turn loose".
Yield ist der phyische Aspekt des Nachgebens. Give meint dass das Pferd dem ohne Widerstand folgt und Turn loose ist die Kombination aus "Ja, ich will" und "Ja, ich kann". Das Pferd ist unvoreingenommen und zeigt keinerlei An- oder Verspannung, es sucht förmlich danach. 

Hier ein schönes Beispiel von Buck Brannaman, der mit einem jungen Pferd zeigt, wie Yield, give, turn loose bei einer einfachen lateral Biegung aussehen sollte. Was er anfangs mit "This horse is real soft" bezeichnet würde man in der konventionellen Welt als durchlässig bezeichnen. Was er aber meint ist wesentlich mehr als nur das bloße, physische Nachgeben. Sondern das Nachgeben UND die Motivation vom Pferd sogar danach zu suchen. Das ist wahre Partnerschaft und das Ergebnis der Formel RAPPORT - REPSEKT - IMPULSION - FLEXION.




Möchtet Ihr mehr dazu lernen und wie Ihr eine echte Partnerschaft erreichen könnt, die basiert ist auf der Formel, dann besucht unsere Webseiten, denn das ist es, was Klaudia bei den Kursen und Unterrichten z.B. beim Horsemanshipcenter - Pferdezentrum den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermittelt.

Mittwoch, 7. März 2018

Die Parelli Formel Rapport - Respect - Impulsion - Flexion. IMPULSION

Hier nun die 3. Stufe der Formel, die uns dabei hilft, eine partnerschaftliche Beziehung mit dem Pferd aufzubauen: IMPULSION.


Impulsion - Klaudia DuifWenn man Impulsion hört, denkt man oft sofort an ein Pferd, welches bereitwillig vorwärts geht und eine Gangart zeigt, die vielleicht sogar spektakulär ist und im Idealfall eine Vorwärtsenergie aus der Hinterhand heraus meint. Impulsion wird im deutschen Sprachgebrauch mit Schwung übersetzt ist Teil der Skala der Ausbildung. Dort wird Schwung wie folgt definiert: 
SCHWUNG Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken auf die Gesamt-Vorwärts-Bewegung des Pferdes. 

Wer sich weiterhin über den Begriff der Impulsion oder Schwung im Netz schlau machen will, findet vor allem physische Definitionen und Lösungsansätze. 
Dabei bedeutet Impulsion/ Schwung in unserer Formel aber so viel mehr als der reine physische Ansatz.

Pat Parelli definiert Impulsion als kontrollierte Vorwärtsenergie. Also der Moment, wo ein Pferd genauso viel vorwärts denkt aber auch genauso viel an das Halten denkt. 
Impulsion ist also die Balance dazwischen. Der neutrale Punkt an dem ein Pferd jederzeit bereit ist vorwärts zu gehen aber auch jederzeit bereit ist, das Tempo zu verlangsamen bzw. zu halten. 

Impulsion Pferd. Blog Horsemanshipcenter - PferdezentrumIch stelle mir immer einen Verstärker vor, dessen Regler auf "neutral" stehen. Ich habe nun die Möglichkeit, die Regler auf LOW oder HIGH einzustellen. Ein Pferd dessen Regler eher auf LOW eingestellt sind, hat tendenziell weniger Energie, es denkt mehr an das Halten oder langsamer werden; es ist eher phlegmatisch. Typisch wäre, dass man solche Pferde immer wieder zum Vorwärtsgehen ermutigen muss. 
Ein Pferd dessen Regler eher auf HIGH eingestellt sind, hat tendenziell zu viel Vorwärtsenergie und ist eher impulsiv. Bei solchen Pferden hat man das Gefühl, man muss sie eher zurückhalten, um sie kontrollieren zu können.

Ein Pferd, dessen Regler mittig sind -so wie auf dem Bild- hat Impulsion/ Schwung.

Pat Parelli erklärt dies außerdem mit zwei einfachen Beispielen und unterscheidet kurze (phlegmatisch) und lange (impulsiv) Pferde. 

Natürlicherweise sind Wildpferde weder kurz noch lang. Sie verfügen über Impulsion. 
Eine Möglichkeit, "kurz" oder "lang" zu verstehen, ist die Fluchtdistanz (ca. 400 m). Im Fluchtmodus ist das Pferd im Instinktmodus (Rechte Gehirnhälfte - Horsenalities). Sobald es sich umdreht, um die Situation einzuschätzen, wechselt es zum Denkmodus (Linke Gehirnhälfte - Horsenalites).
Im Laufe der Zeit sind durch den Menschen im Rahmen von Zucht genetische Anpassungen vorgenommen worden und Pferde entstanden, die deren Fluchtdistanz eher verkürzt (kurze Pferde, z.B. Quarter Horses, Kaltblüter, Warmblüter) oder verlängert (lange Pferde, z.B. Araber, Vollblüter) wurde. 
Dazu kommt die Ausprägung (spirit). Die Ausprägung ist angeboren. Spirit kann mit einer Sicherung verglichen werden: kurze Sicherung - stark ausgeprägt = high spirit. Lange Sicherung - wenig ausgeprägt = low spirit. 

Hier ein kleines Video von Pat und einer Studentin zum Thema Impulsion beim Freestyle Reiten. In dem Fall ein impulsives Pferd.



Parelli Natural Horsemanship bietet tolle Impulsionsprogramme, die uns dabei unterstützen, dass wir unseren Pferden helfen, echte Impulsion zu erreichen, denn beim Thema Impulsion es geht letztendlich um mentale und emotionale Fitness. 
Ein Pferd, das über mentale und emotionale Fitness verfügt, hat Impulsion und ist bereit für den letzten Baustein unserer Formel: FLEXION. 
Mehr dazu im April. 

Möchtest Du mehr zu Klaudia wissen oder zum Horsemanshipcenter - Pferdezentrum, besuche einfach unsere Webseiten.








Mittwoch, 1. Februar 2017

Wenn zwei Welten zusammenkommen, die es nicht gibt - Klaudia Duif

Ich denke immer wieder an die Veranstaltung in Verden im Juli 2015 unter dem Titel "Two worlds together". Nicht nur, weil es unglaublich heiß war sondern auch, weil es eine rundum gelungene Veranstaltung war. Ich bin sicher, dass dies alle bestätigen werden, die ebenfalls da waren.
Eine Veranstaltung, die zeigen sollte, dass die klassische Welt und die Horsemanship Welt zu einer werden können. Spätestens jetzt werden sich viele fragen, wo eigentlich der Unterschied zwischen diesen beiden Welt liegt. Das geht auch mir so, denn gibt es wirklich zwei Welten oder haben wir nicht alle die gleiche Leidenschaft? Es gibt sicher Unterschiede über die Wege, wie Ziele erreicht werden und ich hoffe, dass allen klar ist, dass ich hier nicht die profane Technik meine, sondern die tiefe Überzeugung, die Beziehung zum Pferd immer an erster Stelle zu stellen. Das ist keine Aussage, die von der Horsemanship Welt "patentiert" ist, sondern im Herzen jedes Pferdeliebhabers verankert sein sollte; unabhängig von der Reitweise und ob Klassisch, Western oder Horsemanship.

Mitte Januar 2017 sollte dies und vor allem der Titel dieses Posts bei einem Lehrgang mit Christoph Hess bestätigt werden. Dazu mehr später. 

Mit meiner Lusitano Stute "Estrela" habe ich 2012 offiziell das Parelli Level 4 abgeschlossen. Das heißt, dass wir ein solides Fundament haben. Pat ermahnt vor allem uns Instruktorinnen und Instruktoren immer wieder, dass Level 4 nicht das Ende, sondern der Anfang ist. Der Anfang für eine Spezialsierung, die zum Pferd und zu uns selbst passt. Einschliesslich Level 4 ist mit allen Equiden möglich, vorrausgesetzt sie können geritten werden, was für manche Ponyrassen nur eingeschränkt möglich ist.
Estrela's und ich haben Pre-Parelli Zeiten. Das bedeutet in unserem Fall, dass wir vor Parelli Natural Horsemanship in der Doma Vaquera und auch in der klassischen Dressur aktiv waren und aktuell unsere Kenntnisse und Fähigkeiten in der klassischen Dressur erweitern. Es ist übrigens gar nicht so einfach, eine Unterstützung (in meinem Fall in der Dressur) zu finden, bei der man weiterhin den erlernten Parelli Prinzipien treu sein kann.  Bis dahin haben Estrela und ich viel von unseren "alten" Erfahrungen gezehrt und ich habe mich durch Bücher und DVD's weitergebildet.

Im Januar 2017 haben wir dann an zwei Tagen an einem Lehrgang mit Christoph Hess zum Thema "Besser reiten" teilgenommen. Mein Thema ist immer der Gymnasitzierende Wert der Dressur und dabei meine ich mentale, emotionale und physische Gymnastizierung. Für diesen Lehrgang habe ich mich vor allem für die emotionale und physische Gymnastizierung entschieden, als Christoph mich fragte, was mein Thema ist.

Thema emotionale Gymnastizierung: Estrela hat die Tendenz vor allem im Schritt über Tempo zu sein und wie jedes Pferd (und jeder Mensch) bringt sie eine Schiefe mit.
Thema physische Gymnastizierung: In ihrem Fall ist sie links hohl. Damit fällt ihr die Rechtsstellung und das aktive Untertreten mit dem rechten Hinterbein schwerer. Ich schreibe bewusst nicht Biegung!

Ich habe Estrela entsp. der sieben Parelli Spiele On Line (am Boden) und Freestyle (Reiten ohne ständigen Zügelkontakt) vorbereitet, bevor es in die Session ging. Christoph fragte mich nach meinen Herausforderungen, Zielen und noch ein paar Details zu meinem Pferd bezüglich Alter und Rasse. Danach ließ er mich Reiten und bat mich, so zu reiten, wie ich zu Hause sonst auch reite im Schritt, Trab und Galopp.

Er hatte schnell einen Plan, wie wir mein Wunschthema angehen können und bestätigte auch, dass das ein gutes Thema für mein Pferd ist. Sein Vorschlag beinhaltete 2 Konzepte.

Bevor er sich zu den Grundgangarten äußerte, fragte er mich zu meinem Empfinden bezüglich Takt und Tempo. Er stellte fest, dass Schritt und Trab taktvoll und in einem für das Pferd passende Tempo sind.  Der Galopp allerdings unter dem für das Pferd passende Tempo waren und eher verkürzt war und tendenziell ein Viertakt, was ein Arbeitsgalopp als Dreitakt natürlich nicht sein sollte. Das war eine Überraschung für mich und so bat er mich auf einem großen Zirkel mit Impulsen durch mein Bein das Pferd mit einer leichten Anlehnung (Parelli: Soft Feel) vorwärts aber nicht schneller zu fragen. Dieses Tempo war Estrela und mir nicht unbekannt, allerdings kennen wir es mehr auf einer Geraden vor allem im Gelände. Estrela setzt ohne Zögern die Aufgabe um und als extrovertiertes Pferd gefiel es ihr sehr gut. Wie auch sonst dehnte sie sich und schnaubte viel ab.
Christoph erläuterte den Wert dieser Übung im Sinne einer physischen Gymnastizierung und Estrela zeigte als positiven Nebeneffekt auch den emotionalen Wert dieser Übung: Ohne daran zu "arbeiten" bekam ich von ihr ein tolles Goodie: Sie suchte förmlich den Kontakt ohne sich auf das Gebiss zu legen und ihr Maul war entspannt und ruhig. Als Folge kam sie nicht hinter der Senkrechten, was manchmal auch ein Thema ist. Diese Lektion schenkte mir ganz beiläufig ein Pferd, welches ohne Einschränkung emotional fit ist. 

Christoph war begeistert von Estrela und lobte ihre Einstellung und erläuterte, dass u.a. eine solche Einstellung wichtig für erfolgreiche Sportpferde ist (Parelli: Herzblut).

Das Thema der emotionalen Gymnastizierung war etwas komplexer. Er erläuterte zunächst,  warum es ihn wichtig ist, Übergänge mit so wenig Zügelhilfen wie möglich zu reiten und erklärte die Wichtigkeit vom Bein. Auch bei Übergängen in eine langsamere Gangart. Nebst der eigenen Körperenergie vermittelte er durch das Bein eine weitere natürliche Hilfe, um mein Pferd in einen Übergang in eine langsamere Gangart zu reiten. Ich war begeistert, denn das ist auch das, was wir bei Parelli Natural Horsemanship lernen -egal ob am Boden oder im Sattel-: Unsere natürlichen Hilfen (Energie, Bein, Sitz) zu nutzen BEVOR wir künstliche Hilfen (Stick, Seil, Zügel) gebrauchen. 

Die Aufgabe war, Estrela in einem leichten Schulterherein zu fragen und dieses Schulterherein bei Übergängen in eine langsamere Gangart gering zu verstärken (Parelli: Das Schulterherein ist eine verfeinerte Variante des indirekten Zügels inkl. all seiner Phasen). Dabei bat er mich, mein Bein korrekt zu positionieren und auch den Druck in den jeweiligen Steigbügel differenziert zu nutzen, wenn es um Übergänge und um das Schulterherein ging.

Christoph erläuterte, dass er sehr gerne mit Linda Parelli und Parelli StudentInnen arbeitet, da ihnen das Konzept geläufig ist, weg von der Hand zu reiten. Ein Verständnis, was er sich für Nicht-Parelli Reiter mehr wünschen würde. Auf der anderen Seite stellt er bei Parelli StudentInnen in seinen Unterrichten oft fest, dass diese das Bein zu wenig differenziert einsetzen. Etwas, was auch ich in diesem Lehrgang lernen sollte. Mir vielen direkt die Worte von Pat bei einem Kurs in Belgien ein, bei dem er verschiedene Bein Postionen und ihre Wirkung in den verschiedenen Bereichen erläuterte.

Diese beiden Konzepte fügten wir am Ende der jeweiligen Lektion zusammen (Parelli: isolate, seperate and recombine) und ritten viele Übergänge. Dabei hatten wir alle Zeit der Welt, vor allem Übergänge im Schulterherein in eine langsamere Gangart zu reiten (Parelli: "Nehme die Zeit, die es braucht, so dass es letztendlich weniger Zeit braucht").

Es ging nicht darum, dass diese in diesem Stadium punktgenau ist, sondern dass Estrela und ich einig über das Ergebnis der Beinposition waren (Parelli: Prinzip Nr. 3 - "Kommunikation bedeutet, dass zwei oder mehr Individuen eine Ideee teilen und verstehen"). Dies etablierten wir durch Wiederholungen (Parelli: Muster) zunächst auf der für Estrela einfacheren linken Seite, bevor es an die für Estrela schwierigere rechte Seite ging (Parelli: "Dem Pferd ist es egal, wieviel du weisst; bis es weiß, dass es (das Pferd) dir nicht egal ist". Natürlich haben wir die Anregungen von Christoph zu Hause weiterverfolgt und ich kann sagen, dass das postive Ergebnis wiederholbar ist und wir beginnen, präziser mit unseren Übergängen werden.

Der Lehrgang mit Christoph Hess war genau das, was ich mir erhofft hatte und spätestens jetzt macht die Überschrift des Posts Sinn, denn es gibt keine zwei Welten, sondern wie Pat es sagt nur zwei Arten von Menschen: Solche, die Pferde lieben und solche, die sie nicht lieben! 

Reeles Reiten und partnerschaftlicher Umgang mit Pferden kann nicht getrennt werden, sondern macht einen echten Pferdemenschen (Horseman) aus!






Montag, 6. April 2015

Skala der Ausbildung, Takt - Klaudia Duif

Takt und Rythmus gehören zusammen. Zur Vereinfachung denke ich z.B. an ein Metronom, welches sich immer im vorgegebenen Takt bewegt oder ein Lied, welches immer den selben Rythmus hat.

Unsere Pferd funktionieren aber nicht mechanisch wie ein Metronom oder haben immer den gleichen Rythmus wie ein Lied. Sie können Takt und Rythmus verlieren indem sie schneller oder langsamer werden, anhalten oder den Ryhtmus durch Stolpern gänzlich verlieren.

Ein Pferd kann nur im Takt gehen, wenn es emotional und mental stabil ist. Das heisst, dass mein Pferd durch ein solides mentales und emotionales Fundament Takt und damit Rythmus halten kann. Ein Pferd, welches demotiviert ist, wird den Takt nicht halten können, es hat die Tendenz langsamer zu werden oder stehen zu bleiben. Ein Pferd, welches unsicher oder ängstlich ist, wird den Takt ebenfalls nicht halten können, manche Pferden werden in solchen Situation eher schneller und reagieren mit dem Fluchtinstinkt, andere Pferde werden unsicher und werden eher langsamer, zurückhaltend.

Egal, wie das Pferd auch reagiert, die Ursache ist nicht physisch, so dass eine "physische" Strategie auch nicht angebracht wäre. Das wäre dann z.B. das Bremsen eines Pferdes, welches schneller wird bzw. das Vorwärtstreiben, bzw. Vorwärtsschicken eines Pferdes, welches langsamer wird, bzw. stehen bleibt.

Die Lösung liegt in der Ursache: mental bzw. emotional. Wenn wir also überhaupt einmal die Ursache erkennen, was der Grund ist, warum mein Pferd den Takt nicht halten kann, können wir auch Strategien entwickeln, die meinem Pferd langfristig helfen, in dem Fall den Takt zu finden, weil wir versuchen, unsere Pferde zu verstehen und Strategien entwickeln, die dem natürlichen Verhalten der Pferde gerecht wird. Dazu gehört z.B. der Aufbau von emotionaler und mentaler Fitness unserer Pferde und auch zu verstehen, welche Persönlichkeit mein Pferd hat (Horsenality), damit ich seinem Typ entsp. Strategien und Muster aufbauen kann. Diese Strategien und Muster erlernen wir durch das Parelli Level System und den einzelnen Savvys (Bereiche), welches uns das Wissen und die Fertigkeiten vermittelt, damit wir unsere Pferde besser verstehen. Mit diesem Wissen und den Fertigkeiten bauen  wir ein positive Beziehung mit unserem Partner Pferd auf.

Takt hat also auch etwas mit Regelmässigkeit und wiederholenden Sequenzen zu tun. Das ist genau das, was uns die Parelli Muster (Patterns) lehren. Stabilität (Konsistenz) durch Wiederholung.

Ich vergleiche emotionale Fitness gerne mit einem 10m Brett im Schwimmbad. Die wenigsten von uns würden wahrscheinlich darunter springen, obwohl es physisch ja keine grosse Herausforderung ist, wenn man mal nur den Punkt bedenkt, einen Schritt nach vorne zu machen. Es braucht emotionale Fitness, diesen Schritt nach vorne zu wagen. Würde sich unsere emotionale Fitness verbessern, wenn jemand hinter uns steht und immer wieder auf uns einredet "Ist doch nur ein kleiner Schritt, jetzt mach doch" oder uns sogar vom Brett stösst? Wie oft haben wir auf unsere Pferde schon eingeredet, anstatt ihre emotionale Fitness durch Teilschritte zu verbessern, Erfolgserlebnisse zu vermitteln?

Mentale Fitness hat etwas mit Motivation zu tun. Oder anders gesagt, wie oft haben wir unsere Pferde schon demotiviert, indem wir noch ein bisschen mehr und nochmal gefragt haben, keine Pause gemacht haben, wenn es gut war. Wie sollen unsere Pferde sonst verstehen, wenn es gut war, damit sie noch motivierter werden?

So verstehe ich mehr, warum z.B. Dr. Reiner Klimke der Meinung der Meinung war, dass nur ein losgelassenes Pferd Takt entwickeln kann. Ein Pferd kann aber über Takt, also Regelmässigkeit auch losgelassen werden.

Wenn mein Pferd also nicht im Takt gehen kann, muss ich mich fragen, woran das liegt und wie ich meinem Pferd helfen kann, seinen eigenen Takt zu finden.

Wir werden im Laufe der einzelnen Etappen der Ausbildungsskala mehr und mehr erkennen, dass die Strategie in einer psychologischen Herangehensweise liegt und nicht physisch oder mechanisch.

Das gibt extra Beziehungspunkte mit unseren Pferd und wir erreichen so ein solides Fundament anstatt ein Kartenhaus, welches für den Moment funktioniert, langfristig aber instabil ist.

Donnerstag, 2. April 2015

Die Skala der Ausbildung und Parelli - Klaudia Duif


Was hat jetzt die Skala der Ausbildung mit Parelli zu tun?
Wie ich finde, sehr viel und dabei spielt es keine Rolle, ob wir die Skala vom Boden bzw. im Sattel anschauen.
Die Skala der Ausbildung ist ein Prozess, den wir gemeinsam mit unseren Pferden über die Jahre aufbauen und deren einzelne Schritte wir bei jeder Session mit unseren Pferden erneut überprüfen.


Die Skala ist eine Checkliste, ob mein Pferd und auch ich bereit für den nächsten Schritt dieser Ausbildungsskala sind und wo wir gerade stehen.


Wenn wir die einzelnen Schritte einhalten, keine übergehen, dann sind wir mit unserem Partner Pferd auf dem richtigen Weg zu mentaler, emotionaler und physischer Fitness.


Es geht hier aber weniger darum die Skala als eine chronologische Abfolge zu sehen, sondern zu verstehen, dass die einzelnen Punkte Vorraussetzung für den nächsten Punkt sind -also ineinander greifen-. Die Skizze mit den Pfeilen zeigt das sehr schön.


Persönlich gehe ich bei jeder Session durch, wo mein Pferd und ich gerade stehen und ob wir bereit für den nächsten Schritt sind oder ob der jeweilige Punkt, wo wir stehen noch nicht solide genug ist.


Man würde z.B. beim Häuserbau auch kein Mauerwerk auf ein Fundament setzen, welches nicht solide ist und wenn das Mauerwerk nicht solide ist, auch kein Dachstuhl darauf setzen. Auch hier hängt das Gesamtbild von der Qualität der einzelnen Bauetappen ab und bei der Skala der Ausbildung ist das ebenso.



Ich möchte jeden Punkt der Skala einzeln beleuchten und welche Bedeutung er für uns und unsere Pferde hat, wie ich die einzelnen Punkte erkennen kann, wo die Herausforderungen liegen und welche Strategien uns und unseren Pferden helfen -egal ob vom Boden oder im Sattel-.