Montag, 6. April 2015

Skala der Ausbildung, Takt - Klaudia Duif

Takt und Rythmus gehören zusammen. Zur Vereinfachung denke ich z.B. an ein Metronom, welches sich immer im vorgegebenen Takt bewegt oder ein Lied, welches immer den selben Rythmus hat.

Unsere Pferd funktionieren aber nicht mechanisch wie ein Metronom oder haben immer den gleichen Rythmus wie ein Lied. Sie können Takt und Rythmus verlieren indem sie schneller oder langsamer werden, anhalten oder den Ryhtmus durch Stolpern gänzlich verlieren.

Ein Pferd kann nur im Takt gehen, wenn es emotional und mental stabil ist. Das heisst, dass mein Pferd durch ein solides mentales und emotionales Fundament Takt und damit Rythmus halten kann. Ein Pferd, welches demotiviert ist, wird den Takt nicht halten können, es hat die Tendenz langsamer zu werden oder stehen zu bleiben. Ein Pferd, welches unsicher oder ängstlich ist, wird den Takt ebenfalls nicht halten können, manche Pferden werden in solchen Situation eher schneller und reagieren mit dem Fluchtinstinkt, andere Pferde werden unsicher und werden eher langsamer, zurückhaltend.

Egal, wie das Pferd auch reagiert, die Ursache ist nicht physisch, so dass eine "physische" Strategie auch nicht angebracht wäre. Das wäre dann z.B. das Bremsen eines Pferdes, welches schneller wird bzw. das Vorwärtstreiben, bzw. Vorwärtsschicken eines Pferdes, welches langsamer wird, bzw. stehen bleibt.

Die Lösung liegt in der Ursache: mental bzw. emotional. Wenn wir also überhaupt einmal die Ursache erkennen, was der Grund ist, warum mein Pferd den Takt nicht halten kann, können wir auch Strategien entwickeln, die meinem Pferd langfristig helfen, in dem Fall den Takt zu finden, weil wir versuchen, unsere Pferde zu verstehen und Strategien entwickeln, die dem natürlichen Verhalten der Pferde gerecht wird. Dazu gehört z.B. der Aufbau von emotionaler und mentaler Fitness unserer Pferde und auch zu verstehen, welche Persönlichkeit mein Pferd hat (Horsenality), damit ich seinem Typ entsp. Strategien und Muster aufbauen kann. Diese Strategien und Muster erlernen wir durch das Parelli Level System und den einzelnen Savvys (Bereiche), welches uns das Wissen und die Fertigkeiten vermittelt, damit wir unsere Pferde besser verstehen. Mit diesem Wissen und den Fertigkeiten bauen  wir ein positive Beziehung mit unserem Partner Pferd auf.

Takt hat also auch etwas mit Regelmässigkeit und wiederholenden Sequenzen zu tun. Das ist genau das, was uns die Parelli Muster (Patterns) lehren. Stabilität (Konsistenz) durch Wiederholung.

Ich vergleiche emotionale Fitness gerne mit einem 10m Brett im Schwimmbad. Die wenigsten von uns würden wahrscheinlich darunter springen, obwohl es physisch ja keine grosse Herausforderung ist, wenn man mal nur den Punkt bedenkt, einen Schritt nach vorne zu machen. Es braucht emotionale Fitness, diesen Schritt nach vorne zu wagen. Würde sich unsere emotionale Fitness verbessern, wenn jemand hinter uns steht und immer wieder auf uns einredet "Ist doch nur ein kleiner Schritt, jetzt mach doch" oder uns sogar vom Brett stösst? Wie oft haben wir auf unsere Pferde schon eingeredet, anstatt ihre emotionale Fitness durch Teilschritte zu verbessern, Erfolgserlebnisse zu vermitteln?

Mentale Fitness hat etwas mit Motivation zu tun. Oder anders gesagt, wie oft haben wir unsere Pferde schon demotiviert, indem wir noch ein bisschen mehr und nochmal gefragt haben, keine Pause gemacht haben, wenn es gut war. Wie sollen unsere Pferde sonst verstehen, wenn es gut war, damit sie noch motivierter werden?

So verstehe ich mehr, warum z.B. Dr. Reiner Klimke der Meinung der Meinung war, dass nur ein losgelassenes Pferd Takt entwickeln kann. Ein Pferd kann aber über Takt, also Regelmässigkeit auch losgelassen werden.

Wenn mein Pferd also nicht im Takt gehen kann, muss ich mich fragen, woran das liegt und wie ich meinem Pferd helfen kann, seinen eigenen Takt zu finden.

Wir werden im Laufe der einzelnen Etappen der Ausbildungsskala mehr und mehr erkennen, dass die Strategie in einer psychologischen Herangehensweise liegt und nicht physisch oder mechanisch.

Das gibt extra Beziehungspunkte mit unseren Pferd und wir erreichen so ein solides Fundament anstatt ein Kartenhaus, welches für den Moment funktioniert, langfristig aber instabil ist.