Donnerstag, 23. November 2017

Weniger ist mehr. Teil 1 - On Line am Boden.

Ein Konzept, welches mich schon lange beschäftigt. Mit wenig viel erreichen. Das hat nicht nur zur Folge, dass wir die Kommunikation mit unseren Pferden verfeinern, sondern es wird uns gelingen, eine verstärkte Aufmerksamkeit unserer Pferde zu erhalten, denn wer hört nicht gerne und gut zu, wenn die Kommunikation auf ein Minimum reduziert wird.
Das bedeutet wie so oft, dass wir vor allem an uns arbeiten, denn meist sind wir mit unseren Pferden viel zu "laut". Damit meine ich nicht die Lautstärke, sondern die Effizienz unserer Kommunikation. Anstatt mit wenig viel erreichen ist es oft mit viel wenig erreichen.
Die Ursachen dafür sind vielfältig:

  • Wir sind unklar (kein Bild über das Ziel, den Weg oder den Plan haben).
  • Fehlendes Bewußtsein über unsere Körperenergie (zu wenig oder zu viel) und damit unangemessen kommunizieren. 
  • Ist das Equipment passend zu meinem Ausbildungsstand, dem des Pferdes und meinem Ziel?
Foto: Jessica Freymark - Estrela. Horsemanshipcenter
Unsere Pferde werden durch die unangemessene Kommunikation entweder ängstlich oder desensibilisiert. Nach meiner Erfahrung passiert vor allem Letzteres.

Den Weg zu gehen, dass eigene Körperbewusstsein zu schulen ist sehr spannend. Wieviel Energie  braucht mein Pferd in diesem Moment für eine bestimmte Aufgabe. Hilfreich dabei ist z.B. die Aufgabenstellung klar zu definieren und den Fokus nicht auf das Erreichen der Aufgabe zu richten, sondern darauf wie wenig es brauchte, um eine positive Reaktion vom Pferd auf dem Weg der Aufgabe zu erhalten. Teilschritte sind erlaubt, denn der Weg ist das Ziel. 

Immer wieder die eigene Körpersprache zu kontrollieren. Dazu gehört nicht nur das Equipment, sondern auch was meine Beine, Füsse, Arme und Hände in dem Moment machen.

Kurz aus sich raustreten und vorher ein echtes visuelles Bild zu definieren, wie das Ziel und wie auch das Energiebild aussehen sollte, sich einmal von außen betrachten. Bildlich gesprochen eine Momentaufnahme vom eigenen Ergebnis zu machen, sich selbst kurz von außen "fotografieren". 
Nur so habe ich eine genaue Kontrolle darüber und kann mir überlegen, wie der Weg dahin aussehen könnte.

Atemübungen sind ebenfalls sehr hilfreich, um ein Energiebild zu definieren. 

Wir dürfen einfach nie vergessen, wie sensibel diese wunderbaren Lebewesen mit Energie und ihrem Umfeld umgehen. 

Damit dieses Konzept noch deutlicher wird, hier eine Beispielaufgabe.
Ziel wäre es, das Pferd am Boden aus dem Halten in den Schritt zu fragen. Dabei sollte es so aussehen, dass das Pferd sich scheinbar durch Gedankenaustausch mit dem Menschen in Bewegung setzt. 

Das Ziel ist damit definiert und der Anspruch recht hoch. Vor allem an uns, denn idealerweise setzten wir unser Equipment nicht ein und bewegen unsere Füsse erst, wenn unser Pferd losläuft. 
Als Ausgangsposition würde ich eine entspannte Grundhaltung einnehmen. Um das Pferd nun zum losgehen zu bewegen ist es zunächst wichtig, dass ich mich konzentriere und damit auch meine Energie. Mein Körper sollte nun von einer entspannten Grundhaltung zu einer angespannten Körperhaltung wechseln. Gleichzeitig fokusiere ich meinen Blick in die Richtung in die mein Pferd loslaufen sollte. Tiefes Einatmen hilft dabei genauso, wie sich vorzustellen, die aufgebaute Energie nun in der Körpermitte zu sammeln um die von dort aus in die Gliedmaßen zu senden. Den größeren Teil in den richtungsweisenden Arm und Finger und den kleineren Teil danach in die Hand, die den Stick führt um diesen effizient als Phase 4 einzusetzen. Falls mein Pferd nun bereits Anzeichen zeigt, sich ebenfalls bereit zum Losgehen zu machen, würde ich eine Pause machen. Das bedeutet, sehr bewußt wieder in eine entspannte Grundhaltung zurückzukehren um gemeinsam zu entspannen (ausatmen), bevor ich die Übung wiederhole. Damit beginnen Pferd und Mensch sich zu synchronisieren und harmonisch abzustimmen. In dieser Übung kann ich das soweit steigern, bis mein Pferd beginnt, loszulaufen. 
Nach oben sind keine Grenzen gesetzt und so kann ich das steigern, bis aus dem Halten z.B. ein Angaloppieren wird. 
In Parelli Worten gesprochen wäre das ein Yoyo Game auf einem hohen Niveau mit dem Ziel der Verfeinerung

In diesem kleinen Beispiel wird denke ich bewußt, wieviel Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung hier notwendig ist -egal ob ich mich an- oder entspanne und alles, was dazwischen liegt-. Man kann sich vorstellen, dass dabei auch Details wie Blickrichtung (Fokus), Seilgewicht, Seillänge, Handhaltung, usw. eine große Rolle spielen. Aus Details werden essentielle Zutaten. Deshalb empfehle ich, eine simple Aufgabe zu wählen, um sich auf das visuelle Bild und das Energiebild zu konzentrieren. 
Das Ziel ist letztendlich nicht die Aufgabe selbst, sondern die Harmonie zwischen Pferd und Mensch; in dem Fall am Boden. Keine Angst davor haben, Fehler zu machen, denn das Bewußtsein über Fehler ist wichtig, um etwas zu ändern und zu verbessern. Ohne Fehler findet kein Lernen statt. 

Auch wenn diese Art der Aufgabenstellung ab Parelli Level 3 oder höher Sinn macht, so ist es doch hilfreich auch für Anfänger, dieses Bewußtsein zu verstehen, um es später umzusetzen. 
Es macht unheimlich Spaß, dieses Körperbewußtsein zu nutzen, um mit wenig viel zu erreichen. Es macht scheinbar simple Aufgaben spannend und herausfordernd und wir erreichen ein neues Maß an Harmonie mit unseren Pferden.

Ich wünsche Euch viel Spass bei diesem Konzept und bei der Umsetzung mit Euren Pferden, damit aus wenig viel wird.
Im nächsten Teil gibt es weitere Informationen zu dem Konzept, dann im Sattel.